Warum fischen Frauen besser als Männer? Sind Forellen lernfähig? Können Salmoniden zwischen bitter und süß unterscheiden? Wie gut ist der Geruchssinn von Salmoniden? Wie gut hören und sehen Fische?
Mit dem Beginn der Fliegenfischerei ist auch das Interesse an den biologischen Fähigkeiten der Fische gestiegen. Schon in den ersten Abhandlungen zum Fliegenfischen finden sich Beobachtungen und Erfahrungen der Autoren mit der Biologie und dem Verhalten der Fische unter unterschiedlichen Umständen. Axel Wessolowski hat in dem Buch Biologie des Fliegenfischens die wichtigsten wissenschaftlich basierten Erkenntnisse zur Biologie von Salmoniden abgehandelt.
Die wichtigsten Erkenntnisse sind:
A) Salmoniden haben Geschmack und sind in der Lage geschmackliche Eindrücke, wie bitter oder süß, wahrzunehmen.
B) Salmoniden haben ausgeprägten Geruchssinn mit dem sie Geschlechter unterscheiden, Fressfeinden ausweichen und über große Distanzen wandern.
C) Salmoniden haben keine Ohrmuschel und kein Innenohr und hören dennoch.
D) Mit Hilfe des Seitenlinienorgans halten Salmoniden Abstand zu Artgenossen, machen Beute und suchen optimale Strömungen auf.
E) Das Sehen ist wichtig für Nahrungsaufnahme, die Erkennung von Gefahren und die Partnerwahl.
F) Die Körpertemperatur der Salmoniden schwankt mit der Gewässertemperatur, was deutlichen Einfluss auf das Verhalten der Fische hat.
G) Salmoniden zeigen Fähigkeiten zu Kurz- und Langzeiterinnerung.
Was sind die Konsequenzen für Fliegenfischer?
A) Kunstfliegen sollten frei von aggressiven Geschmackseinflüssen sein, vor allem von Insekten- oder wasserfesten Sonnenschutzmitteln.
B) Kunstfliegen sollten frei von starken Gerüchen sein. Kurz: Fliegen sollten nicht mit schwer wasserlöslichen geschmacks- oder geruchsintensiven Produkten kontaminiert sein.
C) Am Wasser sollte man sich ruhig verhalten und vor allem beim Waten vorsichtig sein.
D) Bei wenig aktiven Fischen oder schlechten Sichtverhältnissen sollten Fliegenmuster möglichst starke Druckwellen und Vibrationen verursachen, um das Seitenlinienorgan anzusprechen.
E) Fische werden durch plötzliche bildliche Reize verschreckt. Daher vorsichtig annähern.
F) Form, Farbe und Kontrast der Kunstfliege sollte den Lichtverhältnissen angepasst sein. Beim Fischen mit Nymphen, Nassfliegen und Streamern sollten die natürlichen Bewegungen der lebenden Vorbilder nachgeahmt werden.
G) Präsentation der Fliegen an Sichtweite und Fließgeschwindigkeit anpassen. Vorfach und Spitze sollten so gewählt werden, dass die erforderliche Wassertiefe erreicht wird.
H) Wissen über mögliche Beutetiere und verschiedene Lebensstadien im Jahresverlauf erhöht die Chancen beim Fischen.
I) Das Lernvermögen der Fische und die Praxis von Catch & Release macht die Fische scheu. Das Lernen kann man erschweren, wenn man flexibel bleibt.
Fischen Frauen wirklich besser?
Bei gemeinsamen Guidings von Frauen und Männern wurde gelegentlich beobachtet, dass Frauen mehr fangen als Männer. Besonders bei Paaren wurde das festgestellt. Der Grund hat aber nichts mit der Biologie der Fische zu tun (Stichwort: Pheromone der Männer), sondern mit der Fähigkeit der Frauen, besser zuzuhören. Frauen folgen dem Rat des Guides, während Männer gern mal eigene Wege gehen oder schlicht nicht zuhören.
"Fliegenfischerinnen sind einfach beim Fischen entspannter" Axel Wesolowski, Biologie des Fliegenfischens