"Wenn, wie die Jäger behaupten, eine Ringeltaube auf jeder Feder ein Auge hat, dann hat der Döbel eines auf jeder Schuppe. Wer sich lange genug mit größeren, mißtrauischen Dickköpfen herumgeschlagen hat, dem werden selbst die wählerischten Bachforellen wie gutgläubige Pfarrerstöchter erscheinen." Hans Eiber, Das ist Fliegenfischen
Es gibt wohl kaum einen Fisch in unseren Breiten, der mehr Namen trägt als der Aitel oder Döbel. Das große Kosmos Lexikon Angel und Fischerei von Stinglwagner/Bachfischer zählt allein für Deutschland 78 Namen auf. Wenig schmeichelhaft darunter sind Namen wie Breitschädel, Dickkopf, Hartkopf, Mausefresser oder Schrottfisch.
Zumindest aus der Sicht des Fliegenfischers ist der Aitel definitiv kein Schrottfisch. Wer sich mit ausgewachsenen großen Aiteln anlegt, weiß wie schwer es sein kann, solche Exemplare zu überlisten. Der Aitel ist außergewöhnlich aufmerksam und beobachtet seine Umgebung sehr genau. Sehr oft schwimmt er auf einen zu und schaut sich an, welches Exemplar von Fischer wieder einmal erfolglos versucht, ihn hinters Licht zu führen. Bei vorsichtiger Annäherung und entsprechender Präsentation der aktuell gefragten Nachahmung (Nymphe, Trockenfliege, Streamer), sind allerdings auch große, schlaue Aitel vor einem Fang nicht sicher. Im Sommer funktionieren Streamer mit Fischleinimmitationen sehr gut, im Spätsommer und Frühherbst bei niedrigen Wasserständen kann man auch Trockenfliegen oder Nassfliegen probieren. Hans Eiber rät zu buschigen, größeren Trockenfliegen, die aber tief im Wasserfilm liegen oder zu irischen Nassfliegen, wie die "Bibio".
Aber nicht nur fischereilich, auch kulinarisch wird der Aitel unterschätzt. Wer schon einmal Aitel in Portionsgröße aus der Friggapfanne genossen hat, weiß wovon hier die Rede ist. Das Fleisch ist kompakt und außerordentlich köstlich. Seinen schlechten Ruf hat er wohl aufgrund der vielen Gräten, mit denen ein erfahrener Koch aber umgehen kann.
Der Aitel gehört zur Ordnung der Karpfenartigen und kommt überall in Europa vor, außer in Dänemark, Nordskandinavien, Wales, Südwestengland, Schottland, Irland, Island und den Mittelmeerinseln. Sein Lebensraum sind Flüsse und Seen. Dabei bevorzugt er sauerstoffreiches Wasser, weshalb er gerne unterhalb von Wehren steht. Jüngere Fische leben an der Wasseroberfläche und in Seen in der Uferregion. Ältere Fische werden zu Einzelgängern, die im Freiwasser zu finden sind. Sein Lebensraum ertsreckt sich bis zu Höhen von 1.500 Metern. Als Allesfresser frißt der Aitel in jungen Jahren Würmer, Kleinkrebse, Insektenlarven, Luftinsekten, Weichtiere und auch Pflanzen. Mit zunehmendem Alter entwickelt er sich zum Raubfisch mit Vorliebe für Kleinfische, Frösche, frisch gehäutete Krebse und auch Mäuse.
Der Aitel wird bis zu 60cm lang, manchmal auch noch länger. Das Maximalgewicht liegt bei rund 3kg, in Ausnahmefällen bis zu 7kg.
Literatur: Stinglwagner/Bachfischer, Das große Kosmos Lexikon Angel und Fischerei, Hans Eiber, Das ist Fliegenfischen, Wolfgang Schulte, Streamerfischen